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Sommergedichte Shortlist

Lyrische Post — and the living is easy

Shortlist

Diese 12 Gedichte wurden als Finalisten unserer Summertime-Gedichte-Mitmachaktionen von der Jury ausgewählt.

Aus dieser Shortlist wurden drei Texte gekürt, die im Rahmen der Abschlussveranstaltung Blauer Montag am 20. Juli bekanntgegeben und vorgetragen wurden.

Die Shortlist-Texte werden hier in alphabetischer Folge veröffentlicht.

Nominierte Gedichte

Auf dem Meer

Sonne malt den hellen Streifen auf die leicht gekrausten Wellen, meine Augen lass ich schweifen, such nach letzten Uferstellen. Doch wir sind schon weit hinaus, Schluss mit allem Strandgewimmel, große Ruhe füllt mich aus, nur noch Meer und freier Himmel. Auf der blauen Meereswiese schnupp’re ich die frische Brise, schau voraus und auch zurück und empfinde einfach – Glück.

Margitta Heinemann

Das Blatt

Kapitel 1 Es rollt sich zart mit einem verschämten Hinweis auf sich selbst. Es hat sich gefiedert, zerglättet, entfaltet... ... streckt seine biegsamen Streben ins Blaue weit über den Horizont. Stützt sich auf zweigendes breites Vertrauen. Grazil und gekonnt deutet es mitten ins Himmelsgesicht, dehnt sich selbst erklärend bis zum Zenit. Entsaftet den Boden, saugt schattend das Licht, zieht milchigen Dunst in sein Wohngebiet. Ein geädertes Netzwerk im Meer von Giganten maschenhaft kommunizierend, denn durch langlinige Kanäle und Ritzen wechseln stumm verfasste Inhalte Besitze. Sie erflüstern ein Hoch auf die Blattkronen in der Sprache des Sommers, in Klimazonen. Kapitel 2 Du tunkst deinen Finger ins Sirupfass. Du langst in die Süße des Jahres. Der pflanzliche Sud aus den triefenden Gründen versickert in hohläugig lugenden Pfründen des kleidsamen Nimmersatt. Die Warmzeit treibt Blüten, oft grell und auch krass verblättern die Farben, vergilbt alles Gras. Zum Gipfel, zum Abgrund, wer findet die Spur? Die menschliche Kunst ist ganz eigner Natur und wendet mit Leichtsinn das Blatt.

Hanna Bürger

Mittsommermorgen

In meinen schlaftrunkenen träumen treffe ich dich an der schwelle des mittsommermorgens wir tanzen unter buchengrünem himmel in barfüßigem moos sommerblau flüstert sich der tag aus dem see verwebt den gesang von frische ins gefieder zweier schwarzer amseln aus ihren scharfen schnäbeln wachsen eistropfen wir laben unsere heißen münder und gurgeln eisphantasien mit denen wir unsere laken kühlen

Angelika Knaak

Plan B

Nach Abschluss der grossen Ferien -                           Wohnung erklärte der promovierte Architekt und Innendesigner          alle              Möbel          für               verrückt… (zu mindest erst mal . . .         und rein professorisch)

LoLuSch

Schaukeln

Vor, zurück schwebt engelsgleiches Mädchenhaar voll Sommerduft durchs Zirkuszelt Vor, zurück im Sausewind ein Streifzug durch die Leichtigkeit der Lieblingswelt Vor, zurück weht Lebensglück der Schaukel gleich die allen Schwung am Leben hält

Andrea Schatz

Sommar & Clyde & Nancy & Bonnie & Sid & ammateffan & Franzi Richtung Norddeich

Weißt du noch Damals - Fahrtwind die Sonne stand hoch gab alles Elvis, The Pogues, UK Subs - • Ich Knobelbecher schwarze Bux grüner Wollpulli vier orangefarbene Zahlen darauf eins neun sieben fünf die Haare kürzer an den Seiten eine meine linke Hand am Lenkrad eine die andere in deinem Nacken • Du schwarze zweiundzwanziger Doc Martens auf Armaturenbrett im Türrahmen Bay-City-Rolling bestrumpfte Beine Faltenröckchen weiße Bluse Zöpfe in dunklem Haar - mit dem Revolver aus dem Beifahrerfenster in den Gegenverkehr ballernd

Georges de Brouillard

Sommer

grüner Bote aus lichten Wäldern an gelben Feldern wächst eine rote Blüte von Mohn allen Kriegen zum Hohn ganz ohne Panzer und Waffen will nur Leben erschaffen - der Sommer

Bettina Alberti

Sommermelodie

Am Abend badet die Sonne als Letzte im See. – Während sie in die Tiefe taucht, steigt der Nachtriese an Land und wirft eine Handvoll Diamanten an den Himmel. Dann knipst er die Mondlampe an. Der Nordwind föhnt unsere Haare, du lehnst dich an mich und mir wird warm. Der Sand ist weich, viel weicher als unser Sofa zu Hause. Schweigend lauschen wir den Wiesenharfen, dem sanften Rauschen der Wellen, und einer vertrauten Melodie. Du summst sie schon den ganzen Tag. Zusammen dichten und singen wir ohne Ende und nennen das Lied: Der Sommer hat keine Wände.

Susanne Beck

Sommer im Polargebiet

Ein Eisbär wünscht sich im Schneesturmtal: „Den Sommer erleben, ein einziges Mal!“ Kaum hat er das zu Ende gedacht, weh’n laue Lüfte, milde und sacht. Da wird es grün, da blüht geschwind eine Blumenwiese im Sommerwind. „Nein, wie ist das wunderschön!“ Der Eisbär hat sowas noch nie gesehn. Nahbei in einem gluckernden Moor quakt Sommerlieder der Frösche Chor, und über ihnen, die Schmetterlinge, sind flatterhaft und guter Dinge. Der Maulwurf wühlt nach Herzenslust und fühlt den Sommer in seiner Brust. Es jodeln alle molligen Robben: „Dies Sommerwetter ist nicht zu toppen!“ Auf einmal vermissen die silbernen Fische im piewarmen Wasser die übliche Frische, und Pinguine, in lauwarmen Pfützen, fangen unglaublich an zu schwitzen. Der Eisbär, zwischen zwei Hitzewogen: „Ich bin ja viel zu dick angezogen!“ Bald rufen Pinguin, Robbe und Wal: „Wie war es schön kühl im Schneesturmtal!“

Ute Rohloff

sommertag in thy

licht zeigt was der wind vermag in der heide, sommertags beugsam wedeln alle wesen blumen, gräser, ginsterbesen kräuter gehn verhalten wilde rose schwenkt weit aus grüßt mit hagebuttapplaus jedes übt den widerstand gegen beugung letzter hand

Leonhard Ehlen

Sommertiet

Sünnschien warmt Lünken larmt Heven blau Wind man lau Wischen gröön Hunn’nblomen blöhn Wiet un siet Sommertiet

Christl Twenhöfel

WINDBEWEGT.

dem weg folgen gräser mit offener hand streifen zärtlich ins wachsen ins wiegen kommen still der habicht der oben seine kreise zieht

Barbara Schleth