Auf dem Meer
Sonne malt den hellen Streifen
auf die leicht gekrausten Wellen,
meine Augen lass ich schweifen,
such nach letzten Uferstellen.
Doch wir sind schon weit hinaus,
Schluss mit allem Strandgewimmel,
große Ruhe füllt mich aus,
nur noch Meer und freier Himmel.
Auf der blauen Meereswiese
schnupp’re ich die frische Brise,
schau voraus und auch zurück
und empfinde einfach – Glück.
— Margitta Heinemann
Das Blatt
Kapitel 1
Es rollt sich zart
mit einem verschämten Hinweis auf sich selbst.
Es hat sich gefiedert,
zerglättet, entfaltet...
... streckt seine biegsamen Streben ins Blaue
weit über den Horizont.
Stützt sich auf zweigendes breites Vertrauen.
Grazil und gekonnt
deutet es mitten ins Himmelsgesicht,
dehnt sich selbst erklärend bis zum Zenit.
Entsaftet den Boden, saugt schattend das Licht,
zieht milchigen Dunst in sein Wohngebiet.
Ein geädertes Netzwerk im Meer von Giganten
maschenhaft kommunizierend,
denn durch langlinige Kanäle und Ritzen
wechseln stumm verfasste Inhalte Besitze.
Sie erflüstern ein Hoch auf die Blattkronen
in der Sprache des Sommers,
in Klimazonen.
Kapitel 2
Du tunkst deinen Finger ins Sirupfass.
Du langst in die Süße des Jahres.
Der pflanzliche Sud aus den triefenden Gründen
versickert in hohläugig lugenden Pfründen
des kleidsamen Nimmersatt.
Die Warmzeit treibt Blüten, oft grell und auch krass
verblättern die Farben, vergilbt alles Gras.
Zum Gipfel, zum Abgrund, wer findet die Spur?
Die menschliche Kunst ist ganz eigner Natur
und wendet mit Leichtsinn
das Blatt.
— Hanna Bürger
Mittsommermorgen
In meinen schlaftrunkenen träumen
treffe ich dich an der schwelle
des mittsommermorgens
wir tanzen unter buchengrünem
himmel in barfüßigem moos
sommerblau flüstert sich
der tag aus dem see
verwebt den gesang von frische
ins gefieder zweier schwarzer amseln
aus ihren scharfen schnäbeln
wachsen eistropfen
wir laben unsere heißen münder und
gurgeln eisphantasien
mit denen wir unsere
laken kühlen
— Angelika Knaak
Plan B
Nach Abschluss
der grossen Ferien -
Wohnung
erklärte der promovierte
Architekt und Innendesigner
alle
Möbel
für
verrückt…
(zu mindest erst mal . . .
und rein professorisch)
— LoLuSch
Schaukeln
Vor, zurück
schwebt engelsgleiches Mädchenhaar
voll Sommerduft
durchs Zirkuszelt
Vor, zurück
im Sausewind
ein Streifzug durch
die Leichtigkeit
der Lieblingswelt
Vor, zurück
weht Lebensglück
der Schaukel gleich
die allen Schwung
am Leben hält
— Andrea Schatz
Sommar & Clyde & Nancy & Bonnie & Sid & ammateffan & Franzi Richtung Norddeich
Weißt du noch
Damals -
Fahrtwind
die Sonne stand hoch
gab alles
Elvis, The Pogues, UK Subs -
• Ich
Knobelbecher
schwarze Bux
grüner Wollpulli
vier orangefarbene Zahlen darauf
eins neun sieben fünf
die Haare kürzer an den Seiten
eine
meine linke
Hand am Lenkrad
eine
die andere
in deinem Nacken
• Du
schwarze zweiundzwanziger Doc Martens
auf Armaturenbrett
im Türrahmen
Bay-City-Rolling bestrumpfte Beine
Faltenröckchen
weiße Bluse
Zöpfe in dunklem Haar -
mit dem
Revolver
aus dem Beifahrerfenster
in den
Gegenverkehr
ballernd
— Georges de Brouillard
Sommer
grüner Bote
aus lichten Wäldern
an gelben Feldern
wächst eine rote
Blüte von Mohn
allen Kriegen zum Hohn
ganz ohne Panzer und Waffen
will nur Leben erschaffen -
der Sommer
— Bettina Alberti
Sommermelodie
Am Abend badet die Sonne als Letzte im See. –
Während sie in die Tiefe taucht,
steigt der Nachtriese an Land
und wirft eine Handvoll Diamanten an den Himmel.
Dann knipst er die Mondlampe an.
Der Nordwind föhnt unsere Haare,
du lehnst dich an mich
und mir wird warm.
Der Sand ist weich,
viel weicher als unser Sofa zu Hause.
Schweigend lauschen wir
den Wiesenharfen,
dem sanften Rauschen der Wellen,
und einer vertrauten Melodie.
Du summst sie schon den ganzen Tag.
Zusammen dichten und singen wir ohne Ende
und nennen das Lied:
Der Sommer hat keine Wände.
— Susanne Beck
Sommer im Polargebiet
Ein Eisbär wünscht sich im Schneesturmtal:
„Den Sommer erleben, ein einziges Mal!“
Kaum hat er das zu Ende gedacht,
weh’n laue Lüfte, milde und sacht.
Da wird es grün, da blüht geschwind
eine Blumenwiese im Sommerwind.
„Nein, wie ist das wunderschön!“
Der Eisbär hat sowas noch nie gesehn.
Nahbei in einem gluckernden Moor
quakt Sommerlieder der Frösche Chor,
und über ihnen, die Schmetterlinge,
sind flatterhaft und guter Dinge.
Der Maulwurf wühlt nach Herzenslust
und fühlt den Sommer in seiner Brust.
Es jodeln alle molligen Robben:
„Dies Sommerwetter ist nicht zu toppen!“
Auf einmal vermissen die silbernen Fische
im piewarmen Wasser die übliche Frische,
und Pinguine, in lauwarmen Pfützen,
fangen unglaublich an zu schwitzen.
Der Eisbär, zwischen zwei Hitzewogen:
„Ich bin ja viel zu dick angezogen!“
Bald rufen Pinguin, Robbe und Wal:
„Wie war es schön kühl im Schneesturmtal!“
— Ute Rohloff
sommertag in thy
licht zeigt
was der wind vermag
in der heide, sommertags
beugsam wedeln alle wesen
blumen, gräser, ginsterbesen
kräuter gehn verhalten
wilde rose schwenkt weit aus
grüßt mit hagebuttapplaus
jedes übt den widerstand
gegen beugung letzter hand
— Leonhard Ehlen
Sommertiet
Sünnschien warmt
Lünken larmt
Heven blau
Wind man lau
Wischen gröön
Hunn’nblomen blöhn
Wiet un siet
Sommertiet
— Christl Twenhöfel
WINDBEWEGT.
dem weg
folgen
gräser mit
offener hand streifen
zärtlich ins wachsen
ins wiegen
kommen
still der
habicht
der oben
seine kreise
zieht
— Barbara Schleth