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Sommergedichte Shortlist

Lyrische Post — and the living is easy

Shortlist

Die Jury hat am 30. Juni die folgenden Texte als mögliche Summertime-Final-Texte nominiert.

Die Jury wird kurz vor dem Ende des Kultursommers bis dahin eingegangene Gedichte nachnominieren und wird drei Texte küren, deren Autorinnen oder Autoren dann zum Blauen Montag am 20. Juli eingeladen werden, um das Gedicht ggf. selbst vorzutragen und eine eigens angefertigte, künstlerische Summertime-Trophäe entgegenzunehmen (s. Informationen zur Teilnahme).

Die Shortlist-Texte werden hier in alphabetischer Folge veröffentlicht.

Nominierte Gedichte

Auf dem Meer

Sonne malt den hellen Streifen auf die leicht gekrausten Wellen, meine Augen lass ich schweifen, such nach letzten Uferstellen. Doch wir sind schon weit hinaus, Schluss mit allem Strandgewimmel, große Ruhe füllt mich aus, nur noch Meer und freier Himmel. Auf der blauen Meereswiese schnupp’re ich die frische Brise, schau voraus und auch zurück und empfinde einfach – Glück.

Margitta Heinemann

Das Blatt

Kapitel 1 Es rollt sich zart mit einem verschämten Hinweis auf sich selbst. Es hat sich gefiedert, zerglättet, entfaltet... ... streckt seine biegsamen Streben ins Blaue weit über den Horizont. Stützt sich auf zweigendes breites Vertrauen. Grazil und gekonnt deutet es mitten ins Himmelsgesicht, dehnt sich selbst erklärend bis zum Zenit. Entsaftet den Boden, saugt schattend das Licht, zieht milchigen Dunst in sein Wohngebiet. Ein geädertes Netzwerk im Meer von Giganten maschenhaft kommunizierend, denn durch langlinige Kanäle und Ritzen wechseln stumm verfasste Inhalte Besitze. Sie erflüstern ein Hoch auf die Blattkronen in der Sprache des Sommers, in Klimazonen. Kapitel 2 Du tunkst deinen Finger ins Sirupfass. Du langst in die Süße des Jahres. Der pflanzliche Sud aus den triefenden Gründen versickert in hohläugig lugenden Pfründen des kleidsamen Nimmersatt. Die Warmzeit treibt Blüten, oft grell und auch krass verblättern die Farben, vergilbt alles Gras. Zum Gipfel, zum Abgrund, wer findet die Spur? Die menschliche Kunst ist ganz eigner Natur und wendet mit Leichtsinn das Blatt.

Hanna Bürger

Mittsommermorgen

In meinen schlaftrunkenen träumen treffe ich dich an der schwelle des mittsommermorgens wir tanzen unter buchengrünem himmel in barfüßigem moos sommerblau flüstert sich der tag aus dem see verwebt den gesang von frische ins gefieder zweier schwarzer amseln aus ihren scharfen schnäbeln wachsen eistropfen wir laben unsere heißen münder und gurgeln eisphantasien mit denen wir unsere laken kühlen

Angelika Knaak

Schaukeln

Vor, zurück schwebt engelsgleiches Mädchenhaar voll Sommerduft durchs Zirkuszelt Vor, zurück im Sausewind ein Streifzug durch die Leichtigkeit der Lieblingswelt Vor, zurück weht Lebensglück der Schaukel gleich die allen Schwung am Leben hält

Andrea Schatz

Sommar & Clyde & Nancy & Bonnie & Sid & ammateffan & Franzi Richtung Norddeich

Weißt du noch Damals - Fahrtwind die Sonne stand hoch gab alles Elvis, The Pogues, UK Subs - • Ich Knobelbecher schwarze Bux grüner Wollpulli vier orangefarbene Zahlen darauf eins neun sieben fünf die Haare kürzer an den Seiten eine meine linke Hand am Lenkrad eine die andere in deinem Nacken • Du schwarze zweiundzwanziger Doc Martens auf Armaturenbrett im Türrahmen Bay-City-Rolling bestrumpfte Beine Faltenröckchen weiße Bluse Zöpfe in dunklem Haar - mit dem Revolver aus dem Beifahrerfenster in den Gegenverkehr ballernd

Georges de Brouillard

Sommermelodie

Am Abend badet die Sonne als Letzte im See. – Während sie in die Tiefe taucht, steigt der Nachtriese an Land und wirft eine Handvoll Diamanten an den Himmel. Dann knipst er die Mondlampe an. Der Nordwind föhnt unsere Haare, du lehnst dich an mich und mir wird warm. Der Sand ist weich, viel weicher als unser Sofa zu Hause. Schweigend lauschen wir den Wiesenharfen, dem sanften Rauschen der Wellen, und einer vertrauten Melodie. Du summst sie schon den ganzen Tag. Zusammen dichten und singen wir ohne Ende und nennen das Lied: Der Sommer hat keine Wände.

Susanne Beck

sommertag in thy

licht zeigt was der wind vermag in der heide, sommertags beugsam wedeln alle wesen blumen, gräser, ginsterbesen kräuter gehn verhalten wilde rose schwenkt weit aus grüßt mit hagebuttapplaus jedes übt den widerstand gegen beugung letzter hand

Leonhard Ehlen

Sommertiet

Sünnschien warmt Lünken larmt Heven blau Wind man lau Wischen gröön Hunn’nblomen blöhn Wiet un siet Sommertiet

Christl Twenhöfel